* vorläufiges Cover *

Kurt Köhler
Vademecum für den jungen Selbstmörder.
Mit Malereien von Andrey Klassen.

Neu übersetzt von
Andreas Lampert

Hardcover, ca. 160 Seiten,
durchgehend bebildert.
Fadengebunden
Mit individuellem Vor- und Nachsatz.

ISBN: 978-3-9822910-6-2

ca. 30 € – Herbst 2023

(c) Andrey Klassen

Kurt Koehler (Kurt Constant Soetewey): Vademecum für den jungen Selbstmörder

Das ist wie das Leben,
das ist das Leben,
von Ihnen,
von mir,
von allen …
Das Leben, das endlos …
endlos fließt …

Kurt Köhlers 1934 erschienener Roman “Vademecum für den jungen Selbstmörder” ist sicherlich einer der herausragendsten Texte der belgischen Moderne und wird hier zum ersten Mal in deutscher Übersetzung (Andreas Lampert, Den Haag) veröffentlicht.

Ein Text, der mit den Collage- und Lautmalereimethoden der brennenden, lodernden 20er Jahre aufgeladen die Geschichte der jungen Verkäuferin Magda (“Jungfrau und Ladendame”), Henk: (“Durchschnittsmensch und Boxmeister”), Nathan (“Kommunist und Jude”) und Kwikkkwak (“Dichter und ewiger Narr”) erzählt. Köhler, mit bürgerlichem Namen Kurt Constant (Stan) Soetewey (und nicht zu verwechseln mit dem kommunistischen Widerstandskämpfer gleichen Namens), ersinnt eine schillernde, todtraurige, aberwitzige Großstadtwelt, die den Leser in einen avantgardistisch-komisch-spielerischen Text stößt.

In der Tradition von P. Ostaien spielt der Roman mit graphischen Elementen und spiegelt so die politische und ästhetische Offenheit wie auch Orientierungslosigkeit der Menschen und der Kunst in den Zwischenkriegsjahren wieder. Köhler ironisiert, legt bloß, spiegelt und überdenkt seine Zeit kritisch.

Der Leser wird dazu gezwungen sein, wenn er dazu bereit ist, sich mit dem Fall Kurt Köhler auseinander zu setzen, der sich in eine ungute Mesaliance mit den Nationalsozialisten begab und der, weil er in die Abgründe der menschlichen, künstlerischen und politischen blicken wollte, die eigene Freiheit verlor.

Ein Roman, der durch die Bilder des Künstlers Andrey Klassen eine Dichte und Eindringlichkeit gewinnt, wie sie vielleicht nur Werken der hitzigen ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entspringen konnte.

Lies, lies andächtig, aber sei vorsichtig, werde nicht sentimental. Brich dir nicht den Hals, und brich dir nicht das Herz.

Über Andrey Klassen

1984 born in Irkutsk, RU
2001–2004 Bachelor of Fine Arts, Art School Irkutsk, RU
2005–2010 Master of Fine Arts, class Prof. Ralf Kerbach, Academy of Fine Arts Dresden, DE
2010–2012 Master Studies with Prof. Ralf Kerbach, Academy of Fine Arts Dresden, DE
2018 Lecturer at the Academy of Fine Arts Dresden, DE

> Website von Andrey Klassen

Über Kurt Köhler aka Constant (Stan) Soetewey

Kurt Köhler, Pseudonym von Constant (Stan) Soetewey (Antwerpen, 18. Februar 1907 – dort, 23. September 1945) war ein flämischer Schriftsteller und Dichter. Sein kleines, experimentelles Werk ist weitgehend, aber nicht völlig in Vergessenheit geraten. Bei einer kleinen Gruppe von Literaturkennern genießt er Kultstatus.

Seine Geschichte ist so berührend und erschütternd wie seine Romane. Soetewey sympathisierte stark mit dem Sozialismus und dem Kommunismus und wandte sich gegen den Wirtschaftsimperialismus des Establishments. Während seines Militärdienstes wurde Soetewey angeblich für die Gründung einer kommunistischen Zelle bestraft. Sein Ideal, ein emanzipiertes Flandern im Rahmen eines sozialistischen europäischen Völkerbundes, ließ ihn mit Engagement und Einsatz für die kommunistische flämische Bewegung aktiv werden. Zugleich spiegelt sein Werk diese idealistische Haltung.

1929 versuchte er, das Studio Avontuur ins Leben zu rufen, einen Treffpunkt und Verlag für junge internationalistische Künstler. Nach vier Jahren musste er die Initiative wegen mangelnden Erfolgs einstellen. In dieser Zeit wurde auch die KPB nach russischem Vorbild umgestaltet, und er verlor den Glauben an den kommunistischen Erlösungsstaat.

Seine ideologische Erschütterung spiegelt sich in den beiden Romanen wider, die er in den folgenden Jahren unter dem Namen „Kurt Köhler“ veröffentlichte. Im Mai 1933 erschien „Baltazar Krulls Herz singt Mondschein“, eine Novelle von etwa 130 Seiten, worin der Protagonist in seiner allgemeinen Verzweiflung über eine konstruktive Alternative für die belgische Gesellschaft zum Spion wird. Köhlers experimenteller Roman verwendet Schnitttechniken, die von Expressionismus und Dadaismus zeugen.

In „Vademecum für den jungen Selbstmörder“ (1934) ging Köhler in seinem Modernismus und Nihilismus noch weiter: hier ist jede Hoffnung auf eine bessere Zukunft zunichte gemacht. Kommunisten verkaufen ihr Programm als Kapitalisten und Dichter und Künstler haben ihre Integrität verloren.

Quelle: Wikipedia NL

Andrey Klassen
Andrey Klassen
++BUCH Koehler .27