Voltaire: Mikromegas (2023)

Voltaire
Mikromegas
& Über die verheerenden Folgen des Lesens
72 Seiten, durchgehend farbig
Hardcover, Fadenheftung, limitiert auf 300 Exemplare
ISBN 978-3-946423-14-0
25 €

VÖ.: Februar 2023

Mikromegas & Über die verheerenden Folgen des Lesens
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Mikromegas & Über die verheerenden Folgen des Lesens
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Mikromegas & Über die verheerenden Folgen des Lesens Voltaire
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HERBST 2022

Mikromegas & Über die verheerenden Folgen des Lesens

Voltaire
Bilder von Florian L. Arnold

Was als eine der ersten Science-Fiction-Geschichten der europäischen Literatur gilt, ist tatsächlich eine an philosophischen Betrachtungen nicht arme Erzählung voller Witz und Poesie. Voltaire, Vordenker der Aufklärung, Humanist und spitzzüngiger Kritiker der eigenen Spezies, hat mit Mikromegas einen hinreißend klugen Culture Crash verfasst: den zwischen Erdenbürgern, Saturniern und eben dem acht Meilen großen Andromedaner Mikromegas.

Die erste Science-Fiction-Geschichte des Abendlandes - 260 Jahre alt!

Mikromegas ist eine 1752 erschienene philosophische Erzählung Voltaires, die rückblickend als eines der ersten Werke der Gattung Science-Fiction eingestuft wird. Die Erzählung beschreibt den Besuch eines Wesens vom Stern Sirius namens Micromégas und seines Begleiters, des Sekretärs der Akademie des Planeten Saturn, auf der Erde. Sie entwickelt die philosophische Idee der Relativität und enthält deutliche Kritik am Erkenntnisanspruch der Religion.

Die Geschichte kreist um die große Reise des – aus Menschensicht – riesigen Mikromegas, einem 12.000 Fuß großen Außerirdischen von einem unbenannten Planeten sowie seinem etwas kleineren (6.000 Fuß) und weniger sensorisch fortgeschrittenen (mit 72 Sinnen, im Gegensatz zu Mikromegas mit „fast“ 1.000 Sinnen) Saturnier.
Die beiden reisen zur Erde und meinen aufgrund ihrer Größe (im Vergleich zu unserer typischen Größe), daß der Planet unbewohnt sei. Ist er aber nicht. Sie erblicken einen Wal und halten ihn für die höchste, sogar die einzige Lebensform auf der Erde. Doch dann stoßen sie auf ein Schiff – und es entbrennt ein Diskurs mit den soeben entdeckten Menschen über philosophische und wissenschaftliche Themen: Krieg, Empfindungsfähigkeit, Liebe, Arroganz, Größe ganz allgemein und natürlich Religion. Die Besucher sind verwirrt: Wie können diese irdischen Winzlinge zugleich so dumm sein und auch intelligent, und warum sind sie nicht Herr der Lage?

Voltaire stellte, vor immerhin mehr als 260 Jahren schon, die Position der Menschen im Universum in Frage. Er stellte die Idee in den Raum, daß wir nicht die höchste Spezies sind und daß „Aliens“ uns nicht nur ebenbürtig, sondern sogar überlegen sein könnten.

Dieser erste Science-Fiction-Text geizt nicht mit der für Voltaire typischen intelligenten Kritikfähigkeit über die immerwährende Dummheit des Menschen, insbesondere seinen Hang zur Kriegstreiberei. Diese (männliche) Vorliebe für den Kampf mündet ins Sezieren eines guten Dutzends widersprüchlicher Philosophien und die Frage nach einer wahrhaft sinnvollen Existenz.

Das Aufeinandertreffen dieser grundverschiedenen Welten hat Florian L. Arnold mit versponnenen Radierungen und Zeichnungen versehen, die Voltaires scharfem Witz entsprechen.

„Aber da war leider ein kleines Tierchen mit einem quadratischen Hut, das alle anderen Tierchen-Philosophen unterbrach. Er sagte, dass er das Geheimnis kenne: dass alles in der Summa des heiligen Thomas zu finden sei. Er suchte die beiden himmlischen Bewohner auf und Er argumentierte, dass ihre Menschen, ihre Welten, ihre Sonnen, ihre Sterne alle einzigartig für die Menschheit geschaffen worden seien.Bei dieser Rede fielen unsere beiden Reisenden fast um vor diesem unauslöschlichen Lachen, das Homer zufolge mit den Göttern geteilt wird . Ihre Schultern und ihre Bäuche hoben und senkten sich, und bei diesen Krämpfen fiel das Gefäß, das der Sirianer an seinem Nagel hatte, in eine der Hosentaschen des Saturnianers.“