Solitär im Dickicht der humoristischen Literatur
L. Valentin Krockas „Alles worüber wir nichts sagen müssen“ ist ein Solitär im Dickicht der humoristischen Literatur. Während viele aktuelle Titel mit flachen Witzen oder popkulturellen Anspielungen kokettieren, greift der 1959 geborene Autor tief in die Werkzeugkiste vergangener Epochen. Er parodiert die Kurzgroteske à la Daniil Charms, lässt sich inspirieren von den genre-sprengenden Experimenten von Ror Wolf, Robert Gernhardt und Reinhard Lettlau – und verwebt all das zu einem Spiel mit der Literatur selbst.
Ist das aktuell?
Sind diese Formen nicht antiquiert, gebunden an eine Ära ohne Social Media und Fake News? Mitnichten. Krocka destilliert daraus zeitlose Grundreagenzen des Lebens: Leichtgläubigkeit, Ignoranz, die Ermüdung des Bildungsbürgers. Seine Geschichten treiben das Absurde ins Extreme – etwa wenn eine Wohnung sich Stück für Stück auflöst, bis nur noch leere Fensterhöhlen und Türöffnungen übrig bleiben. Seine Kurzdramen, die oft mit ungeheuren Kalamitäten enden wie bei Hermann Harry Schmitz, haben veritable Theaterqualität; hier lugt „Warten auf Godot“ um die Ecke.
Geschärftes Figurentheater der Gegenwart
Besonders die Erzählungen rund um die Figur Klebustin treiben das Absurde auf die Spitze: Mitten am Tag stellt er sich auf einen öffentlichen Platz, verkündet, nun sei Nacht – und zack, glaubt ihm jeder. Krocka karikiert damit die Verschwörungstheoretiker, die Ignoranz politischer Strömungen und die hilflose Naivität des Zeitgeists. Heraus entsteht ein veritables Figurentheater des Menschlichen, eine Commedia dell’arte mit scharfem Realitätsbezug.
Krocka könnte mit diesen Texten durch die Lande ziehen – als Ein-Mann-Theater, jener theatertraditionellen Spezies, in der ein einziger Mensch Autor, Regisseur, Bühnenbildner, Darsteller und Tourneemanager zugleich ist.
Ein Buch, das lacht und beißt. Ab sofort im Buchhandel.








