Ruinenbewohner.

Texte von u. a. Franz Kafka, Arno Tauriinen, Wolfgang Hildesheimer, Wolfgang Schiffer, Gottfried Müller, Andor Endre Gelléri und weiteren.
ca. 82 Seiten, durchgehend farbig illustriert.
Hardcover, Fadenheftung

*Frühjahr 2025

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„(…) Statt nun damals wegzulaufen, sei es auch in dieser letzten Richtung, denn nur das Weglaufen konnte ihn auf den Fußspitzen und nur die Fußspitzen konnten ihn auf der Welt erhalten, statt dessen hat er sich hingelegt, wie sich im Winter hie und da Kinder in den Schnee legen, um zu erfrieren.“

Franz Kafka, 1910

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Ruinenbewohner!

Ruinen und Labyrinthe, ruinöse Architekturen und Ruinenbewohner.

„{…} am liebsten wäre ich jener kleine Ruinenbewohner gewesen, abgebrannt von der Sonne, die da zwischen den Trümmern von allen Seiten auf den lauen Efeu mir geschienen hätte“.

Unperfekte Orte, fragile Räume, schwebende Häuser: das Imaginäre manifestiert sich in den Bauten unseres Lebens.

„Oskar M., ein älterer Student – wenn man ihn nahe ansah, erschrak man vor seinen Augen – blieb an einem Winternachmittag mitten im Schneefall auf einem leeren Platz stehn, in seinen Winterkleidern mit dem Winterrock darüber, einem Shawl um den Hals und einer Fellmütze auf dem Kopf, Er zwinkerte mit den Augen vor Nachdenken. So sehr hatte er sich in Gedanken verlassen, daß er einmal die Mütze abnahm und mit ihrem krausen Fell sich über das Gesicht strich. Endlich schien er zu einem Schluß gekommen und wendete sich mit einer Tanzdrehung zum Heimweg.“

Franz Kafka, 1910

Im Werk vieler Schriftstellerinnen und Schriftsteller ist die Ruine, das unfertige Haus, der ungesicherte Raum ein Spielfeld für neue Ideen. So ist etwa Franz Kafkas Der kleine Ruinenbewohner ein aus mehreren Prosafragmenten bestehendes Werk über die vielfältigen Beeinträchtigungen durch erziehende oder beaufsichtigende Personen während Kafkas Kindheit und Jugend. Dem stellt er das Bild des kleinen Ruinenbewohners entgegen, der ein zwar recht karges und einsames Leben führt, der aber unbelastet von menschlichen Einflüssen lebt. Andere Zugriffe zeigen Räume oder Häuser als Orte nicht etwa des Schutzes, sondern ungeahnter Gefahren.

In diesem Band erkunden wir anhand von Auszügen aus dem Werk Kafkas wie auch mit Einzeltexten von Autoren wie Wolfgang Hildesheimer, Arno Tauriinen und Florian L. Arnold Konstruktionen von Individualität anhand der den Menschen umgebenden Gebäude. Wenn etwa Hildesheimer eine Dachwohnung auf nur einem Balken balancieren lässt oder Tauriinen ein Haus aus Rauch ersinnt, geht es handfest um die menschliche Psyche – was nicht ohne Humor und, wie in jedem Hibana-Buch, nicht ohne dazu passende illustratorische Begleitung geschehen kann.

Veröffentlichung vorgesehen für Sommer 2025.